MUSIK UND MACHT. KARL BLESSINGER

4. März 2026

Musik und Macht. Karl Blessinger: ein Beispiel für
Indoktrinierung über Musik

Vortrag von Prof.in Dr.in Yvonne Wasserloos, Mozarteum Salzburg

Der Vortrag bezog sich auf die Musik- und Zeitgeschichte in Pullach und München und stellte das Verhältnis von Musik und Macht in den Mittelpunkt.

Der Musikwissenschaftler Dr. Karl Blessinger (1888-1962) zog 1926 in die neue Gartenstadt Pullach und wohnte dort sein ganzes Leben. Er lehrte zunächst als Dozent an der Akademie für Tonkunst München (heute Musikhochschule), später wurde er dort Professor.

Schon 1932 war er NSDAP-Mitglied geworden und erwies sich dann als starker Verfechter und überzeugter Träger der NS-Ideologie. Diese Haltung prägte sein musikalisches Schrifttum – sein Hauptwerk war „Judentum und Musik. Ein Beitrag zur Kultur- und Rassenpolitik“ (Berlin 1944); darüber hinaus war er Autor für das „Lexikon der Juden in der Musik“ hg. von Herbert Gerigk, das der Verfolgung jüdischer Musiker*innen diente. Blessingers NS-Überzeugung prägte ebenso seine Tätigkeit als Lehrender. Er konfrontierte seine Studierenden in München mit antisemitischen und rassistischen Inhalten und instrumentalisierte die musikalischen Lehrinhalte politisch. Daher zeigt sich an ihm beispielhaft die Indoktrinierung der Jugend über Musik in der NS-Diktatur.

Er war auch über den Beruf hinaus politisch aktiv: in Pullach ab 1934 als Mitglied im gleichgeschalteten Gemeinderat sowie vielfach als Propagandaredner für das NS-Regime.

Prof. Yvonne Wasserloos, Musikwissenschaftlerin, lehrt seit 2022 als Professorin an der Universität Mozarteum Salzburg und forscht u.a. zum Thema „Musik und Macht. 2025 erhielt Sie den Hauptpreis für Wissenschaft und Forschung des Salzburger Kulturfonds.

Die Akademie für Tonkunst befand sich im Konzerthaus „Odeon“, erbaut 1826-28 durch Leo von Klenze; im 2. Weltkrieg wurde es stark beschädigt (Bild von 1946).
Quelle: © Bildarchiv Foto Marburg, Aufnahme-Nr. LA 958/4

Interview mit Prof. Wasserloos, Münchner Merkur 30. März 2026: