„Freiheitsaktion Bayern“

Freiheitsaktion Bayern_25-02-2015_klein

1400 Zivilisten und Soldaten beteiligten sich ausgehend von München im April 1945 am Aufstand der „Freiheitsaktion Bayern“ gegen das NS-Regime. Erstmals wurde der Aufstand nun von einer LMU-Historikerin umfassend erforscht.

„Beseitigt die Funktionäre der nationalsozialistischen Partei“, tönte es am 28. April 1945 über den Rundfunk. Die „Freiheitsaktion Bayern“, eine Widerstandsgruppe um Wehrmachtsangehörige und Dolmetscher, rief die Öffentlichkeit in Südbayern zum Widerstand gegen das NS-Regime auf. Ihr Ziel war es, die NS-Machthaber abzusetzen und eine Übergangsregierung zu bilden. Viele Menschen folgten dem Aufruf spontan. Doch der Aufstand missglückte und die Beteiligten wurden von NS-Anhängern verfolgt. 57 Menschen wurden hingerichtet. „In der Endphase wendete sich das Regime brutal gegen die eigene Bevölkerung“, sagt Ferdinand Kramer, Professor für Bayerische Geschichte an der LMU.

Die Historikerin Veronika Diem hat im Rahmen ihrer Dissertation an der LMU die erste wissenschaftliche Monographie über den Aufstand geschrieben, die jetzt im Verlag Michael Laßleben erschienen ist. Für ihre Dissertation wurde Veronika Diem mit dem Dorothee-Fliess-Preis für Widerstandsforschung ausgezeichnet. „Erst jetzt ist bekannt, dass der Aufstand sehr viel länger geplant war und das NS-kritische Engagement der Beteiligten zeitlich weiter zurückreichte. Bemerkenswert ist, dass einige Beteiligte Kontakte zum amerikanischen Geheimdienst hatten“, sagt Ferdinand Kramer. Zum ersten Mal in seiner Geschichte wurde damals das Medium Rundfunk für einen Aufstand genutzt.

Veronika Diem wertete erstmals den Nachlass eines der Protagonisten wissenschaftlich aus, ebenso wie Akten aus verschiedenen Archiven weltweit und auch Obduktionsberichte. Ihre Forschung zeigt, dass sich in der Nacht vom 27. auf den 28. April 1945 440 Soldaten beteiligten und damit deutlich mehr Menschen als bislang angenommen. Dem Aufruf der Freiheitsaktion Bayern folgten knapp 1000 Zivilisten und Soldaten. Das wichtigste gemeinsame Ziel war, die aussichtslosen Kämpfe gegen die vorrückenden Amerikaner zu beenden. „Alle Beteiligten gingen ein hohes persönliches Risiko ein“, sagt Veronika Diem. Nach dem Scheitern des Aufstandes richteten NS-Anhänger Beteiligte ohne rechtliche Grundlage hin.

In München erinnert unter anderem der Platz der Münchner Freiheit an den Widerstand, der seinen Namen 1946 in Erinnerung an die „Freiheitsaktion Bayern“ erhielt. (nh)

Weitere Informationen unter folgendem Link:

www.freiheitsaktion.bayern