Als der Tag zur Nacht wurde: Der 19. Juli 1944

Pullach war am 19. Juli 1944 Zielobjekt von US-amerikanischen Tages-präzisionsangriffen. Die 8. US Luftflotte griff von England aus im Rahmen der „Operation Crossbow“ Zulieferbetriebe für die V 1 und die deutsche U-Bootwaffe im Pullacher Ortsteil Höllriegelskreuth sowie in Peenemünde (Ostsee) an. Außerdem flog die von Italien aus operierende 15. US-Luftflotte an diesem Tag Angriffe gegen Rüstungsfirmen im Münchner Südwesten.

Die Bomben auf die Elektrochemischen Werke Pietzsch und die Linde-Werke in den Vormittagsstunden des 19. Juli 1944 machten den Sommertag zur Nacht. Der Chronist der Frei­willigen Feuerwehr Pullach notierte: “Recht viel schlimmer kann ein Vulkanausbruch auch nicht sein. Die angrenzende Gartenstadt war ganz in schwarzem Rauch eingehüllt und das bei hellem Sonnen­schein. Nur das Krachen und unheimliche Pfeifen der fallenden Sprengbomben war zu hören.“

Am Ende des Tages war in Pullach war außer den schweren Schäden bei Linde und Pietzsch der Tod von 30 Men­schen zu beklagen; darunter waren neun sowjetische und polnische Zwangsarbeiterinnen.

Mehrere an beiden Angriffen beteiligte US-Bomber waren abgeschossen worden; ihre Besatzungen waren dabei ums Leben gekommen oder wurden von fanatisierten NSDAP-Funktionären und aufgestachelten Zivilisten gejagt. Der Lynchjustiz fiel dabei mindestens ein US-Flieger zum Opfer.

Erwin Deprosse und Susanne Meinl schilderten die dramatischen Ereignisse des 19. Juli 1944 aus verschiedenen Perspektiven. Die anschließende Gesprächsrunde mit Wissenschaftlern und Zeitzeugen moderierte Peter Habit vom Pullacher Geschichtsforum.